4 Sterne · Rezensionen

NUR EIN TAG – Gayle Forman

IMG_5939Dann fahr doch“, sagt er.
„Wohin?“
„Nach Paris.“
„Geht nicht, wurde gestrichen.“
„Dann fahr jetzt.“
[…]
„Es würde nicht funktionieren. Ich kenne Paris überhaupt nicht.“
Willem wirft einen Blick auf die Uhr an der Wand. Dann sieht er mich an. „Aber ich kenne Paris.“
– Nur ein Tag: S. 38/39

Die Geschichte

Mit diesen Worten beginnt für Allyson das Abenteuer ihres Lebens. Zufällig trifft sie Willem an einem der letzten Tage ihrer Europarundreise. Eine Reise, die ihre Eltern ihr zu ihrem Schulabschluss geschenkt haben. Eine Reise, die sie sich eigentlich komplett anders vorgestellt hat. Doch nachdem sie Willem getroffen hat, scheint genau diese Reise noch eine Wendung zu nehmen, die Allysons komplettes Leben auf den Kopf stellt. Denn er ist genau das Gegenteil von der ordentlichen, super organisierten und stets braven Allyson – spontan, ungebunden und abenteuerlustig. Sie weiß selbst nicht so genau, wieso sie sich darauf einlässt, mit dem jungen Mann nach Paris zu fahren, doch irgendetwas sagt ihr, dass es die richtige Entscheidung ist. Immer mehr wird sie zu „Lulu“, wie Willem sie nennt. Und „Lulu“ ist nicht zurückhaltend und brav – „Lulu“ ist mutig und traut sich Dinge, an die Allyson im Leben nicht denken würde. Der Tag in Paris scheint perfekt… bis Willem plötzlich verschwindet. Und „Lulu“ mit ihm.
Allyson ist am Boden zerstört. Doch wird sie das Verschwinden des Jungen, in den sie sich verliebt hat, einfach so hinnehmen? Oder wird sie sich auf die Suche nach ihm machen? Und wenn ja, was wird sie auf dieser Suche erwarten? Wird sie ihn finden? Und wird sie „Lulu“ finden – die Seite an ihr, die nur durch Willem zum Vorschein gekommen ist?

Meine Meinung

Zunächst möchte ich mich ganz herzlich beim FJB Fischer Verlag bedanken, der mir dieses Buch zusammen mit einigen anderen Rezensionsexemplaren – unter anderem dem zweiten Teil dieses Roman-Duos – zur Verfügung gestellt hat.
Das Buch hat mir von Anfang an wirklich gut gefallen. Einerseits ist es locker und leicht und lässt sich gut lesen, andererseits ist es an einigen Stellen doch sehr tiefsinnig und regt zum Nachdenken an. Vielleicht hat ja jeder von uns eine „Lulu“ in sich, die plötzlich Seiten von einem zum Vorschein bringt, die man bisher gar nicht kannte.

Über die Figuren etwas zu sagen, ist ehrlich gesagt ein bisschen schwierig. Zumindest über Willem. Allyson ist meiner Meinung nach wieder so ein bisschen die typische Hauptperson – erst schüchtern und brav und wenn sie den richtigen Typen trifft, wird sie auf einmal mutig. Aber trotzdem unterscheidet sie sich irgendwie von anderen Protagonistinnen, die in diese Richtung gehen. Ihr Glück hängt auch nicht nur von Willem ab. Viel mehr geht es vor allem darum, dass sie versucht, die gerade erst entdeckten und schon wieder verschwundenen Facetten ihrer Persönlichkeit zu finden, und zwar unabhängig von Willem. Auf jeden Fall entwickelt sie sich innerhalb der Geschichte immer weiter, auch was die Beziehung zu ihren Eltern und ihr Studium angeht.
Über Willem erfährt Allyson selbst nur wenig, weshalb man auch als Leser nicht schlauer ist. Darum ist es schwierig, ihn einzuschätzen. Aber dafür gibt es ja den zweiten Band „Und ein ganzes Jahr“, welcher aus Willems Sicht geschrieben ist. Ich bin schon gespannt, mehr über ihn zu erfahren und darüber, was passiert ist.
Nebenpersonen gibt es ziemlich viele. Zum Beispiel Allysons beste Freundin Melanie, durch die unter anderem deutlich wird, dass auch Freundschaften sich irgendwann verändern und nicht alles so bleibt, wie es vielleicht schon seit Jahren ist. Denn das ist auch die Hauptaussage des Romans: Gewohnheiten ändern sich im Laufe der Zeit. Ein gutes Beispiel dafür ist auch Allysons Mutter, denn wie gesagt ändert sich auch die Beziehung der beiden. Der Vater ist dabei etwas mehr in den Hintergrund gerückt. Aber allgemein kommen so viele Figuren vor, dass immer Abwechslung herrscht. Und die meisten Charaktere sind unglaublich liebenswürdig, freundlich und hilfsbereit.

„Und an diesem Punkt sollte ich mich eigentlich schon nicht mehr darüber wundern, wie nett und großzügig Menschen sein können, doch ich kann mich nicht dagegen wehren. Es haut mich jedes Mal wieder um.“
– S. 409

Die Geschichte selber ist genauso facettenreich wie ihre Charaktere. Es passiert viel mehr, als man nach dem relativ kurzen Klappentext vielleicht schließen würde. Zumindest bei mir war es so. Darum hat mich die Story echt überrascht, denn sie beinhaltet viel mehr als ich erwartet hatte. Der Roman beinhaltet zwar sehr viele Zeitsprünge, was mich aber nicht wirklich gestört hat. Vom Ende hätte ich mir ein bisschen mehr erhofft, bin nun aber gespannt darauf, wie sich die ganze Sache im zweiten Teil aufklären wird.

Der Schreibstil von Gayle Forman hat mir sehr gut gefallen. Wie bereits erwähnt, ist es sowohl sehr angenehm zu lesen als auch stellenweise sehr tiefsinnig. Ich konnte mich durch ihre Art zu schreiben die meiste Zeit gut in Allyson hineinversetzen und hoffe, dass dies auch bei Willems Sicht der Fall sein wird, denn bei einem männlichen Protagonisten ist das ja immer nochmal etwas anderes.
Das einzige, was mich ein wenig gestört hat, waren ein paar kleine Fehlerchen, die sich eingeschlichen haben. Da konnte ich dann aber auch drüber hinwegsehen.

Fazit:

Dieses Buch zeigt auf eine wirklich schöne Art und Weise, wie eine einzige Person und ein einziger Tag ein ganzes Leben komplett auf den Kopf stellen können. Einerseits geht dieser Roman in Richtung Liebesgeschichte, aber ich finde, andererseits ist es viel mehr als das. Der Roman lässt sich sehr gut lesen und ich freue mich schon, den Teil aus Willems Sicht zu lesen und etwas mehr über ihn zu erfahren. Vor allem, wer Reise und verschiedene Städte(-eindrücke) mag, sollte diesen Roman unbedingt lesen. Insgesamt bekommt „Nur ein Tag“ von mir

von 5

Nur ein Tag:
432 Seiten, 14,99€ (Broschiert), 12,99€ (E-Book), erschienen bei Fischer FJB

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