3 Sterne · Rezensionen

[Rezension] Young Elites: Die Gemeinschaft der Dolche – Marie Lu

young-elites1Als ich vier Jahre alt war, wütete das Blutfieber gerade am heftigsten und die Einwohner von Kenettra verrammelten ängstlich ihre Türen. Vergeblich. Meine Mutter, meine Schwester und ich wurden krank. […] Mein linkes Auge schwoll so stark an, dass die Ärzte es entfernen mussten – mit einem rot glühenden Messer und einer Zange.
Also, ja: Man könnte sagen, ich bin mit Makeln behaftet.
Mit Makeln behaftet. Ich trage die Zeichen eines Malfettos.
S. 12/13

 

die-geschichteNachdem Adelina als Kind am Blutfieber erkrankte, verlor sie nicht nur ein Auge, sondern auch ihre Haare wechselten die Farbe. Sie ist für jeden als Malfetto zu erkennen, was ihr das Leben nicht leichtmacht. Denn die Malfettos werden von den anderen Bewohnern Kenettras verstoßen. Dass sie eine Aussätzige ist, lässt auch ihr Vater Adelina spüren. So beschließt sie eines Tages, von zu Hause zu flüchten. Doch im Zuge ihrer Flucht findet sie nicht nur heraus, dass sie durch die Krankheit neben ihren Makeln auch besondere Fähigkeiten erhalten hat, sondern trifft auch auf die Gemeinschaft der Dolche. Diese sind eine Gruppe Malfettos, die sich auch „die Begabten“ nennt und sich vorgenommen hat, den König Kenettras zu stürzen. Doch für dieses Vorhaben brauchen sie Adelinas Hilfe. Wird sie sich auf die Seite der anderen Ausgestoßenen schlagen und versuchen, über das Land zu herrschen?

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meine-meinungDas Buch kam bereits an Heiligabend bei mir an und ich hatte mir ganz fest vorgenommen, es vor dem Erscheinungstermin am 16.1. zu rezensieren. Hat nicht so gut geklappt, wie ihr seht. Ich hoffe, der Loewe Verlag ist mir nicht böse, ich habe mich nämlich wirklich über die Weihnachtspost gefreut! Aber ich habe es einfach nicht früher geschafft, das Buch komplett zu lesen und zu rezensieren. Den ein oder anderen Grund werde ich euch auch in dieser Rezension nennen.


Über die Story:
Also die Grundidee finde ich echt gut, vor allem ist es genial, dass Gut und Böse hier so unklar definiert sind, dass man überhaupt nicht weiß, wer denn nun wirklich die wahren Bösen sind. Die Geschichte spielt laut Verlag in einer Welt, die dem Venedig der Renaissance ähnelt. Das kann ich ehrlich gesagt nicht wirklich beurteilen, da ich keine Ahnung von der Renaissance und erst recht nicht von Venedig habe, aber ich nehme es einfach mal so hin und sage, dass immerhin das Rundum um die Story gut gelungen ist. Die Schauplätze waren gut gewählt, die Karte, die im Buchdeckel abgedruckt ist, hat mir bei der Orientierung auch immer mal wieder geholfen.
Am Anfang hat mir die Geschichte auch noch richtig gut gefallen, aber irgendwann konnte sie mich leider nicht mehr so ganz begeistern. So ca. ab Seite 150 oder 200 war die Spannung irgendwie weg. Ich kann ehrlich nicht sagen, wieso mich die Story ab diesem Punkt nicht mehr mitreißen konnte, denn es passierte wirklich noch so einiges, aber aus irgendeinem Grund konnte mich das leider nicht mehr vom Hocker hauen.
Trotzdem muss ich sagen, dass die Story im Großen und Ganzen relativ gelungen ist, da man einfach so unsicher ist, was die Guten und Bösen hier betrifft. Ich habe zwischendurch oft überlegt, wie meine Meinung denn jetzt überhaupt ist und ob ich es gut finde, was die Gemeinschaft der Dolche da veranstaltet, bzw. ob ich es nachvollziehen kann oder total daneben finde. Dass ein Buch einen so in einen Zwiespalt bringen kann, finde ich super!


young-elites2Der Schreibstil:
Auch den Schreibstil fand ich zu Anfang sehr gut, die ersten 50 Seiten flogen nur so dahin und ich war nicht nur von der Geschichte sondern auch von Mari Lus Art zu schreiben sehr angetan. Später fand ich es aber irgendwie immer schwieriger, in einen richtigen Lesefluss zu kommen. Ich denke aber, das lag auch sehr daran, dass mich die Story einfach nicht mehr so packen konnte.
Was ich sehr gut fand, war, dass nicht die ganze Zeit nur aus Adelinas Sicht erzählt wird. Der Großteil des Buches ist zwar aus der Ich-Perspektive und somit aus der Sicht von Adelina verfasst, aber zwischendurch gibt es immer wieder kurze Kapitel, in der wir andere Personen begleiten und etwas über sie erfahren. Das trägt definitiv dazu bei, dass die Geschichte verständlicher wird, denn ohne diese Zwischensequenzen hätte ich oft mit einem großen Fragezeichen über dem Kopf dagesessen. Daher fand ich diese kleinen Einschübe sehr angenehm – vor allem, wenn ich mich mal kurz von Adelina „erholen“ musste.


Die Personen:
Es gibt zwar einige Personen in diesem Buch, aber ich konnte trotzdem ganz gut den Überblick behalten. (Abgesehen davon, dass ich die ganze Zeit dachte, Lucent wäre männlich, aber pssst.)
Unsere Protagonistin Adelina mochte ich leider nicht so sehr. Ich bin das ganze Buch über nicht mit ihr warm geworden. Ihre Handlungen waren teilweise sehr unüberlegt und sie konnte mich nicht von sich überzeugen. Dass sie rebellisch ist, wie sie überall beschrieben wird, konnte ich nur sehr bedingt rauslesen. Ich dachte, jetzt kommt so eine richtige Badass Prota, aber dann kam halt… Adelina. Klar, an einigen Stellen hat sie die Züge der Bösen und der Rebellin, aber ich hatte mir mehr von dieser Hauptperson erhofft, vor allem von ihrer „dunklen Gabe“, die die Macht über sie ergreift. Hier und da ist das zwar passiert, aber es passte einfach nicht zu ihrem Charakter. Ich finde, sie hätte ruhig noch ein paar mehr Züge vom rebellischen Bösewicht haben können.
Zwei weitere Charaktere, die auf jeden Fall erwähnenswert sind, sind Enzo und Raffaele. Auf der einen Seite mochte ich sie, auf der anderen Seite konnte ich die beiden aber überhaupt nicht einschätzen und hatte keine Ahnung, ob man ihnen trauen kann. Vor allem bei Raffaele war das der Fall. An sich finde ich ihn toll und mochte ihn gerne, aber durch die Zwischensequenzen, die nicht aus Adelinas Sicht geschrieben sind, wurde deutlich, dass er doch nicht der liebe gute Freund ist.
Auch anhand der Personen wird also wieder deutlich: Man kann anscheinend niemandem trauen, denn es ist nicht ersichtlich, wer Gutes und wer Böses will. 


Sonstiges:
Zum Cover sage ich ja meistens nichts, aber dieses Cover finde ich echt schön. Normalerweise mag ich es nicht, wenn mal wieder ein Mädchenkopf abgedruckt ist, aber hier ist das ja doch wieder ein bisschen anders und auch die Farben passen super zusammen. Was das angeht ist „Young Elites“ auf jeden Fall ein Schmuckstück. Auch die Aufmachung mit der Karte, die in die Buchdeckel gedruckt wurde, finde ich gut. Die Gestaltung im Buch selber ist zwar schlicht, aber dennoch schön.

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Fazit:
Ich bin zwiegespalten. Am Anfang konnte mich das Buch sehr begeistern und ich habe die ersten 150 Seiten sehr schnell gelesen und fand die Geschichte richtig gut. Aber danach konnte mich die Story halt nicht mehr so sehr packen. Ich mochte Adelina nicht wirklich, fand dafür aber die Frage, wer denn nun die Guten und wer die Bösen sind, super. Da die Dinge, die mir gefallen haben und die, die mir nicht gefallen haben, ja relativ ausgewogen sind, und vor allem, weil ich viel Potenzial in der Story sehe, bekommt „Young Elites – Die Gemeinschaft der Dolche“ von mir

★★★ von 5

Titel: Young Elites – Die Gemeinschaft der Dolche
Autor/in: Marie Lu
Übersetzer/in: Sandra Knuffinke, Jessika Komina
Verlag: Loewe (Link zum Buch)
Seiten: 416
Preis: 18,95€ (Hardcover), 14,99€ (E-Book)

Weitere Rezensionen zu diesem Buch findet ihr hier:
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Worte sind Wind
Sarah liest
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5 Kommentare zu „[Rezension] Young Elites: Die Gemeinschaft der Dolche – Marie Lu

  1. Naaaa, Isa?

    Da sind wir wohl quasi komplett einer Meinung!
    Ich mochte auch den Anfang total, aber dann ging es steil bergab…WHY? So viel Potenzial!

    Und Adelina….GRRR! Dieses Mädel!

    Aber die Idee mit Gut und Böse war wirklich eine tolle…nur umsetzen können 😀

    Viele liebe Grüße,
    Anna

    1. Ja stimmt, deine Rezension hab ich damals auch gelesen. Das Buch hat mich echt hin und her gerissen. 😅 Ich denke aber, dass ich trotzdem Band 2 lesen werde. 🤔

  2. Interessant zu lesen wie dir das Buch gefiel, ich habe auch immer sehr verschiedene Rezensionen zum Buch gelesen, manche mochten es sehr und wiederum andere fanden es ganz schrecklich. Ist dies eigentlich eine Serie oder ein für sich abgeschlossenes Buch?
    Wünsche dir ein tolles Wochenende ♥

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