2 Sterne · Rezensionen

[Rezension] Du & Ich. Best friends for never – Hilary T. Smith

Du&amp;Ich1„Du sagst jetzt bestimmt, dass sich Pläne nun mal ändern können und dass du mir ja nichts versprochen hast. Aber es geht nicht nur darum. Manchmal habe ich das Gefühl, unsere Freundschaft ist wie ein Boot mit einem Leck, aber keine von uns darf zugeben, dass es ein Leck hat. Wir sitzen einfach drin und kriegen nasse Füße, aber ich trau mich nicht zu sagen, >hey, ich hab nasse Füße<, weil du mich sonst über Bord schmeißt.“
„Dich will überhaupt niemand über Bord schmeißen“, sagte Noe ruhig. „Du hast bloß einen schlechten Tag“.
-S. 130/131

 die-geschichte

Für Annabeth ist Noe eine der wichtigsten Personen in ihrem Leben. Sie ist ihre beste Freundin, und das schon seit Jahren. So ist es auch kein Wunder, dass die beiden schon Pläne für ihre Studienzeit geschmiedet haben. Doch plötzlich soll alles anders werden. Noe hat einen Freund, freundet sich mit ein paar anderen Mädchen an und so ist Annabeth nicht mehr die einzige Person, mit der sie ihre Nachmittage verbringt. Auch eine andere Universität rückt plötzlich in den Vordergrund.
Annabeth steht plötzlich ziemlich alleine da, denn bisher hat sie sich immer nach Noe gerichtet. Doch das soll nun ein Ende haben. Annabeth möchte für sich selber entscheiden. Kann das Ende ihrer Freundschaft mit Noe vielleicht ein toller Neuanfang für Annabeths Leben sein?

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meine-meinung

Als ich den Klappentext gelesen habe, war ich sofort begeistert von der Story. Endlich mal etwas, wo es um das wunderbare Thema Freundschaft geht! Darum habe ich das Buch auch beim Fischer Verlag als Rezensionsexemplar angefragt. Vielen Dank noch einmal dafür, dass es mir zugeschickt wurde! Leider konnte es mich nicht so begeistern, wie ich erhofft hatte. Es gab einige Punkte, an denen ich etwas auszusetzen hatte. Was genau das war, erfahrt ihr hier in meiner Rezension.

Über die Story
Okay. Also an sich… Die Grundidee ist echt gut. Es geht mal nicht um die große Liebe, sondern um eine Freundschaft, die immer aussah als sei sie unlösbar und würde bis an das Lebensende der Freundinnen bestehen. Annabeth und Noe haben schon Pläne für ihre Zeit nach der Schule geschmiedet. Sie wollen zusammen an einer Uni studieren, sich ein Wohnheimzimmer teilen, einen Goldfisch halten und so weiter. Durch Noes plötzlichen Sinneswandel rückt dies jedoch total in den Hintergrund. Und hier wären wir schon beim ersten Kritikpunkt: Das Ganze kam für mich irgendwie von jetzt auf gleich. Klar hat man gemerkt, dass das Gefühl des Auseinanderlebens immer weiter aufgebaut werden sollte, aber irgendwie waren es keine kleinen Anzeichen, sondern immer wieder große Schritte, die dazu führten, dass die Freundinnen sich immer weiter auseinander entwickeln.

Der Umgang mit Sex geht für mich in diesem Buch gar nicht. Annabeth hat scheinbar überhaupt keine Ahnung von irgendwas, nicht einmal davon, wie man mit der Pille (die sie übrigens nur gegen ihre Pickel nimmt – was EXTREM unangebracht ist, wie ich finde) umgeht. Sie nimmt sie einfach durchgängig und hat keine Ahnung, wie der Zyklus unter der Einnahme der Pille auszusehen hat. Als ihre Freundin ihr sagt, dass sie ganz getrost auch nur eine halbe Pille pro Tag nehmen kann, hinterfragt sie dies nicht weiter. ENTSCHULDIGUNG?! Wie wird hier bitte mit dem Thema Verhütung umgegangen?? Achtung Spoiler! Zum lesen markieren:Kein Wunder, dass das Mädel schwanger wird. Eine Abtreibung scheint übrigens auch etwas ganz Alltägliches zu sein. Ich erinnere mich noch an die Zeilen „In der Klinik sind sie echt nett. Da war ich damals auch für meine Abtreibung“. Das erste Mal findet nach ein paar Schlucken Alkohol mit einem fast fremden Typen im Blumenbeet statt. Und noch einmal Spoiler. Auch hier wieder markieren. Der interessiert sich übrigens überhaupt nicht dafür, dass er eine 17-jährige geschwängert hat und fragt nur „und wieso rufst du mich jetzt an?“

Allgemein finde ich, dass einfach viiiiiel zu viele Themen auf einmal in dieses BuchDu&amp;Ich6 gematscht wurden. Alles Mögliche wird angerissen, aber nichts davon wird wirklich tiefergehend behandelt. Hier mal ein bisschen Depression, da mal etwas Essstörung, dort ein wenig Selbstfindungskrise. Alles Dinge, die in einem Jugendbuch sicher (kritisch) betrachtet und behandelt werden können – aber doch bitte nicht alles auf einmal in ein und demselben Werk!
Beim Stichwort Jugendbuch sind wir übrigens schon beim nächsten Thema, nämlich der Altersempfehlung. Dazu möchte ich aber lieber am Enden noch einmal ein bisschen genauer eingehen.

Der Schreibstil
Die Geschichte ist in der Ich-Perspektive aus Annabeths Sicht geschrieben. Hierbei ist der Schreibstil mit eine der Sachen, die mir am besten an dem Buch gefallen hat. Hilary T. Smith schreibt relativ einfach, wodurch sich der Roman sehr schnell lesen lässt. Definitiv ein deutlicher Pluspunkt, denn ich habe im Moment auch zwei Bücher hier liegen, bei denen ich einfach aufgrund des „hakenden“ Schreibstils nicht weiterkomme. Da war es sehr angenehm, dass sich die Ausführungen hier nicht so gezogen haben. Die Kapitel waren alle sehr kurz, manche bestanden sogar nur aus ein paar Zeilen. Aber ehrlich gesagt mag ich sowas. Man findet bei so etwas viel einfacher die Gelegenheit, eine kurze Verschnaufpause einzulegen als bei Büchern, in denen die Kapitel sich über 50 Seiten ziehen.

Ich finde, man merkt, dass die Autorin versucht, mit ihrem Schreibstil eine etwas poetisch wirkende Geschichte zu erschaffen. An manchen Stellen mag das auch funktioniert haben, aber im Großteil der Story konnte ich diesen Versuchen nicht wirklich viel abgewinnen. Schade.

Personen
Die Hauptperson Annabeth ist für mich irgendwie das ganze Buch hindurch sehr undurchsichtig geblieben. Sie hat so eine totale Scheißegal-Haltung und das einzige, was sie in irgendeiner Weise zu belasten scheint, ist die Tatsache, dass ihre Mutter damals mit ihr schwanger wurde, weil sie vergewaltigt wurde. Alles andere scheint an ihr abzuprallen. Okay, es mag ja sein, dass sowas von außen her oft so wirkt. Aber in einem Buch, das sich auf eine ganz bestimmte Person konzentriert und deren Geschichte erzählt, sollte man schon vernünftige Einblicke in die Gefühlswelt dieses Charakters bekommen. Entweder wurde das hier etwas vernachlässigt oder Annabeth ist schlichtweg wirklich alles egal. Vielleicht kam es mir auch nur so vor, aber für mich war diese Protagonistin alles andere als gut nachzuvollziehen. Was mich ebenfalls an Annabeth gestört hat, ist, dass sie sich total von Noe und deren Entscheidungen abhängig macht. Es scheint als würde sie ihr ganzes Leben nach ihrer ach so tollen besten Freundin richten wollen.

Alle anderen Charaktere blieben für mich ebenfalls sehr undurchsichtig. Da diese Rezension sowieso schon viel zu lang wird, werde ich aber jetzt nicht noch näher auf einzelne Personen eingehen. Nur so viel: Wieso jemand mit Noe befreundet, geschweige denn zusammen sein will, kann ich noch immer nicht nachvollziehen.

Sonstiges
Ich habe ja schon erwähnt, dass ich gerne noch etwas zur Altersempfehlung des Buches sagen würde. Auf der Seite des Verlags wird das Buch ab 14 Jahren empfohlen. Autsch. Ich denke, ich habe oben schon sehr deutlich gemacht, dass vor allem die Themen Sex und Verhütung in diesem Roman meiner Meinung nach aus der falschen Richtung angegangen werden. Vor allem für ein Buch, das für 14-JÄHRIGE ist, finde ich diese Weise mehr als unangebracht. Mir wird hier mit dem Thema viel zu leichtsinnig umgegangen. Für 14-jährige ist das meiner Meinung nach nichts.

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Fazit:

Aufgrund des Schreibstils konnte ich sehr schnell von Seite zu Seite schlittern, was ein großer Pluspunkt ist. Die Idee der Story ist an sich echt super, denn es geht einmal nicht um Liebe, sondern um Freundschaft, um Selbstfindung und Selbstverwirklichung. Die Umsetzung ist leider alles andere als großartig. Es werden zu viele Themen in eine Geschichte geklatscht, weswegen sie nicht vernünftig ausgeführt werden können und der Umgang mit Sex ist mir viel zu leichtfertig, vor allem für 14-jährige Jugendliche, die hier die Zielgruppe sind. Darum bekommt „Du & Ich. Best friends for never“ von mir leider nur

★★ von 5

Titel: Du & Ich. Best friends for never
Originaltitel: A Sense if the Infinite
Autor/in: Hilary T. Smith
Übersetzer/in: Jenny Merling
Verlag: Fischer FJB (Link zum Buch)
Seiten: 368
Preis: 16,99€ (Broschur), 14,99€ (E-Book)
ISBN:  978-3-8414-4004-4

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4 Kommentare zu „[Rezension] Du & Ich. Best friends for never – Hilary T. Smith

  1. Also, ich habe von Medizinstudenten schon so einiges gehört zum Thema Pille und es gibt tatsächlich viele, die gar nicht wissen, wie man die eigentlich genau einnimmt. Zumindest ist das in dem Buch nicht realitätsfern. Allerdings sollte dann doch bitte in dem Buch der Charakter aufgeklärt werden – und damit auch in gewisser Weise die Leserin. Nachher denkt dann tatsächlich eine 14jährige, dass man ruhig ne halbe Pille nehmen kann.
    Ich finde, gerade ein Jugendbuch sollte auch Vorbilder für Jugendliche aufzeigen.

    1. Eben, genau das meine ich. Ja, es gibt tatsächlich viele, die keine Ahnung haben. Aber Bücher bzw deren Charaktere haben eine gewisse Vorbildfunktion. Hier ist die aber mMn eher verfehlt worden, da auch die Konsequenzen ziemlich verharmlost und unter den Tisch gefegt werden.

  2. Die Rezension ist echt gut geworden 😀 und lang, aber das hast du mir ja schon angekündigt.
    Also ich habe das Buch nicht gelesen und nach deiner Rezension werde ich es auch nicht lesen 😀 Dass so leichtfertig mit dem Thema Sex/Verhütung umgegangen wird ist schon irgendwie seltsam.

    1. Ich weiß nicht, vielleicht seh ich das auch falsch. Ich hab sonst bis auf eine eigentlich nur positive Rezensionen gelesen. Aber okay, irgendwie auch nicht sonderlich viele. Die negative hat aber genau das kritisiert, was ich auch angesprochen habe.

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