5 Sterne · Rezensionen

Immer ist ein verdammt langes Wort – Sabine Schoder [Rezension]

„Bleibst du bei mir?“, nuschle ich schlaftrunken. „Bis zum Morgen?“
„Für immer, wenn du willst.“
„Lügner.“
„Wieso sagst du das?“
Ich seufze an seinen Hals. „Immer ist ein verdammt langes Wort.“
– S. 166

Der Tag, an dem Rena von einem Motorrad überfahren wird, ändert alles. Monatelang liegt sie im Koma, im Krankenhaus, ist in Reha. Als sie endlich entlassen wird, zieht sie gemeinsam mit ihrer Mutter in eine neue Wohnung. Doch ihre Plastikhüfte und immer wieder auftretende Gedächtnislücken machen ihr zu schaffen. Aber plötzlich steht Kick vor ihr. Genauer gesagt fällt er ihr direkt vor die Füße. Und Kick macht irgendwie alles besser. Mit seinem grün gesprenkelten und seinem blauen Auge. Mit seiner Punkfrisur. Und mit seiner Art, die Rena immer wieder zum Lachen bringt. Und auch Kick scheint ganz von Rena angetan. Da macht es auch nichts, dass sie ihn beim ersten Aufeinandertreffen versehentlich von ihrem Balkon schubst.

Es gibt AutorInnen, bei denen brauche ich gar nicht lange überlegen, ob ich ihr neues Buch lesen werde. Erst recht muss ich nicht den Klappentext lesen. So eine Autorin ist Sabine Schoder, denn ich weiß genau, dass ihre Bücher mich jedes Mal auf Neue wieder fessel und mit Emotionen überschütten können. Daher war es für mich klar, dass ich auch Immer ist ein verdammt langes Wort so schnell wie möglich lesen muss. Und was soll ich sagen? Es hat meine Erwartungen sogar noch übertroffen.

Über die Story
Ohje, wo soll ich anfangen? Ich wusste am Anfang gar nicht, was mich hier in der Geschichte erwarten wird und habe mich ungefähr so hineinfallen lassen wie Kick in das Gebüsch unter Renas Balkongeländer, von dem sie ihn schubst.
Und genau so habe ich mich dann auch gefühlt. Die Geschichte hat mir einen Mindfuck und einen Heartbreak verpasst. Ich habe ziemlich viel gelacht, weil vor allem die Dialoge einfach toll sind, aber ich habe auch ziemlich lange geweint. Es war also alles dabei, was ein echt gutes Buch ausmacht.
Die Liebesgeschichte hier wirkt einerseits so sanft und einfach, so selbstverständlich. Aber gleichzeitig ist sie so gewaltig und mächtig, dass ich nicht aufhören kann, darüber nachzudenken. Außerdem ist es bei den Figuren von Sabine Schoder (zumindest bei mir) immer so, dass die Paare so perfekt zusammenpassen, dass man gar nicht mal dieses „Oh, er ist voll der Bookboyfriend, ich will ihn haben“ verspürt, sondern eher ein „Sie sind perfekt zusammen, sie sind das perfekte Paar, genau so muss es jetzt sein und bleiben“.
Aber es geht nicht nur um Liebe, sondern auch um Familie. Um psychische Krankheiten. Und darum, wie man sich nach einem so verheerenden Unfall wie Rena ihn hatte, zurück ins Leben kämpft. Wie man es schafft, stark zu bleiben. Aber auch, dass man sich manchmal Schwächen eingestehen muss.
Und vor allem ist diese Geschichte ein riesiges Puzzle, dessen Teile sich nach und nach zusammensetzen und die irgendwann ein komplettes Bild ergeben – mit dem ich nie gerechnet hätte.

Der Schreibstil
Für manche ist es vielleicht nichts Neues, wenn ich sage: Ich liebe den Schreibstil von Sabine Schoder. Es ist genau die richtige Mischung aus ernsthaften und witzigen Beschreibungen, Dialogen und Situationen. In anderen Büchern reden die Figuren meiner Meinung nach oft zu ernst miteinander. Ich persönlich mache auch in ernsteren Gesprächen schonmal eine witzige Andeutung oder Aussage. Und genau so machen es Sabines Charaktere auch. Vielleicht kann ich mich deswegen so gut mit ihnen identifizieren. Weil sie immer ein bisschen Witz und Humor beibehalten – egal, wie ernst eine Situation gerade ist.

Die Personen
Hier wurden ganz wundervolle Personen mit vielen Ecken und Kanten geschaffen.
Als erstes haben wir Rena. Sie kämpft sich nach ihrem schweren Unfall zurück ins Leben und lässt sich nicht unterkriegen – weder von ihrem Onkel, noch von den Plastiknazis, die im Haus wohnen und erst recht nicht von ihren körperlichen Problemen, die sie immer noch verfolgen. Geldsorgen? Ja, aber damit kann sie umgehen. Und sie kümmert sich um ihre psychisch kranke Mutter, auch wenn ihr das oft sehr viel abverlangt. Ich finde Rena einen bewundernswerten Charakter. Vor allem, weil ihr Dinge auch manchmal egal sind. Oder zumindest zu unwichtig, um in dem Moment darauf einzugehen. Und das ist verdammt nochmal ziemlich realistisch.
Kick wirkt um einiges aufgeräumter als Rena. Aber gut, er hat auch nicht mit Gedächtnislücken zu kämpfen. Zumindest scheint er immer zu wissen, was zu tun ist, wenn Rena in einer Situation mal nicht weiter weiß. Und er kümmert sich um sie, ohne genau das zu beabsichtigen. Er sehnt sich nach Freiheit, nach der großen weiten Welt. Außerdem hat er den gleichen Humor wie Rena. Aber ein bisschen geheimnisvoll bleibt er trotzdem.
Die Plastiknazis (wie Rena sie nennt) sind eine Gruppe Idioten, die in Renas Haus leben. Zunächst scheinen sie alle gleich zu sein, doch mit der Zeit stellt sich heraus, dass sie doch ziemlich unterschiedlich sind, eigene Charakterzüge und Geschichten haben.
In Renas Familie bleibt eigentlich nur ihre Mutter. Ihr cholerischer Onkel taucht auch auf, aber viel mehr als dass er cholerisch ist, kann man über ihn wirklich nicht sagen. Renas Mutter ist das Gegenteil. Schüchtern, manchmal sogar ängstlich. Sie hat starke psychische Probleme und oft kommt es einem so vor als sei Rena die Mutter, die sich um sie kümmert. Doch sie hat auch gute Tage, an denen sie sogar ihr Zimmer verlässt. Ich habe mich immer gefreut, wenn das passiert ist. Gleichzeitig habe ich gehofft, dass sie endlich die Hilfe bekommt, die sie braucht.
Tja, was soll ich sagen? Die Figuren passen alle echt gut, das Zusammenspiel von ihnen macht echt Spaß zu lesen. Besonders harmonisch ist natürlich die Beziehung zwischen Rena und Kick – und zwar von Anfang an. Von der ersten Sekunde harmonieren die beiden super miteinander.

Fazit

Tja, was soll ich sagen? Ich habe gelacht, ich habe geweint, ich habe das Buch geliebt und gehasst, mit den Figuren gehofft und gelitten. Ich habe bis halb fünf nachts gelesen, weil ich einfach wissen musste, wie das Buch endet. Und zwischendurch ist mir das Gesicht runtergefallen. Und genau das ist es, was ein Buch braucht. Darum bekommt Immer ist ein verdammt langes Wort von Sabine Schoder von mir ganz klar

★★★★★ von 5

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Titel: Immer ist ein verdammt langes Wort
Autor/in: Sabine Schoder
Verlag: FFISCHER Sauerländer (Link zum Buch)
Seiten: 352
Preis: 14 € (Gebunden), 12,99€ (E-Book)
ISBN: 978-3-7373-5743-2

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