Werbung (Rezensionsexemplar)

Wisst ihr, was mit den Figuren einer Geschichte passiert, wenn der Autor aufhört, an sie zu denken? Wenn er die Geschichte nicht zu Ende schreibt? Vielleicht entwickeln die Figuren sich allein weiter, so wie sie Lust haben.
Eines Nachts kann der erwachsene Erzähler dieser Geschichte nicht einschlafen und erfindet einen neuen Fantasiefreund – den Dachs. Doch dieser verschwindet ganz plötzlich und tauscht seinen Platz mit den längst vergessenen Fantasiewesen aus der Kindheit des Erzählers. Sie kommen mit einem alten Schulheft und fordern, dass ihre Geschichte endlich weitererzählt wird. Und plötzlich findet der Erzähler sich mitten in seiner alten Geschichte wieder: im Tal der nimmersatten Puschel. Und er eilt zur Rettung des Vielfraßtags. Bei diesem großen Fest sind alle Bewohner der Fantasiewelt anwesend. Nur einer fehlt: der Kanarienvogel Arschnase. Sofort steht die Vermutung im Raum, dass Meerschweinchen Matjes ihn gefressen hat. Skandal! Die anderen Bewohner, darunter die Erdmännchen Rotkohl und Klöße, sind entsetzt. Nun gilt es, den verschwundenen Kanarienvogel zu finden. Und wo ist eigentlich der Dachs?!

Bei „Der Vielfraßtag“ handelt es sich um das erste Buch der Flaggschiff-Fabrik. Vielen Dank noch einmal für das Rezensionsexemplar! Eine Besonderheit möchte ich hier direkt vorwegnehmen: Das Buch ist auf Graspapier gedruckt. Es handelt sich also nicht um Papier aus Holz, sondern aus Gras, was um einiges nachhaltiger ist. Tatsächlich riecht das Buch sogar nach Heu und fühlt sich zudem sehr angenehm an. Ein guter Schritt in Richtung Nachhaltigkeit beim Buchdruck!

Über die Story

Wenn Figuren aus alten Geschichten sich plötzlich selbstständig machen, kann das zu wirklich witzigen Situationen führen. Besonders, wenn es sich um verfressene Tiere mit lustigen Namen handelt, die plötzlich auf der Matte stehen und die Fortsetzung ihrer Geschichte verlangen. Die Kombination von Überlegungen des Erzählers und der Umsetzung dieser in eine bereits bestehende, aber abgebrochene Geschichte, klingt auf den ersten Blick wirr, ist aber so klar und verständlich umgesetzt, dass Leser:innen damit kein Problem haben sollten. Dazu trägt auch die klare Abgrenzung der Geschichtenteile bei, denn diese sind tatsächlich wie ein Schulheft gestaltet, mit Schriftlinien, Zeichnungen und handschriftlichem Aussehen. Sowohl von der Aufmachung als auch von der Geschichte her denke ich, dass „Der Vielfraßtag“ sich sowohl für jüngere Leser:innen (je nach Leseerfahrung würde ich sagen ab 8-10 Jahren) als auch für erwachsene Leser:innen eignet. Ich hatte mit der Geschichte auf jeden Fall meine Freude.

Der Schreibstil

Wie gesagt teilt sich das Buch im Grunde auf in zwei Teile. Einmal Parts, in denen es hauptsächlich um den Erzähler und die plötzlich bei ihm auftauchenden Figuren seiner Geschichte geht, woraufhin er sich in Überlegungen stürzt, wie er diese Geschichte weiter umsetzen kann. Und in Teile, in denen die Geschichte fortgeführt wird und es darum geht, wie die Story rund um Meerschweinchen Matjes, die Erdmännchen Rotkohl und Klöße, den Kanarienvogel Arschnase und alle anderen Tiere weitergeht. Die Teile aus Sicht des Erzählers sind aus der Ich-Perspektive im Präteritum verfasst.
Klaus Fehling arbeitet hier mit viel Witz und Charme – ein etwas verpeilter Erzähler, der offenbar weder so wirklich weiß, wohin mit sich selbst und seinen Figuren und wütende Fantasietiere, die wollen, dass ihre Geschichte endlich beendet wird.

Die Figuren

Zum einen haben wir hier den Erzähler, der mir vor allem durch seine Verpeiltheit sympathisch geworden ist. Außerdem ist er die ganze Zeit so ein bisschen anti – aber auf sympathische Art und Weise. Am Anfang hat er gar kein Interesse daran, die Geschichte seiner Tierchen weiterzuführen, lieber würde er einfach nur gerne wissen, wo sein Dachs ist. Denn diesen vermisst er schmerzlich. Zwar taucht der Dachs dadurch immer wieder in der Geschichte auf, bleibt im Großen und Ganzen aber eine relativ unscharfe Figur, was aber in diesem Fall völlig in Ordnung ist.

Die Tiere haben alle ganz unterschiedliche Charaktere. Sei es das verfressene Meerschweinchen Matjes, das beschuldigt wird, den armen Kanarienvogel Arschnase gefressen zu haben, der Kanarienvogel selbst oder die Erdmännchen Rotkohl und Klöße. Diese beiden fand ich besonders putzig, denn sie sind alles von ängstlich über bestimmend bis hin zu überdreht und aufgeregt. So viele Facetten verpackt in zwei so kleinen quirligen Tierchen haben beim Lesen wirklich Spaß gemacht.

Fazit

Mir hat die Geschichte rund um den etwas verdaddelten Erzähler und seine Fantasietierchen mit den lustigen Namen, die aber doch so real erscheinen, sehr gut gefallen. Da das Buch nicht so dick ist, konnte ich es an einem Abend lesen und hatte eine schöne Zeit damit. Ich kann es auf jeden Fall sowohl erwachsenen als auch jüngeren Leser:innen empfehlen, ich denke, jede:r wird Spaß daran haben. Natürlich hat die Geschichte keinen riesigen Spannungsbogen, ist aber wirklich toll für zwischendurch. Darum bekommt „Der Vielfraßtag“ von Klaus Fehling von mir

★★★★ von 5